Licht (Fortsetzungsgeschichte)

Veröffentlicht von Carla Thuile 08.07.2015  •  Kommentare(4)

 

Liebe Schreibende,

wir möchten hier eine Fortsetzungsgeschichte entstehen lassen, die dann im Herbst in der neuen Zeitschrift für junge Kultur des Landes Südtirol veröffentlicht wird.
Mitmachen ist ganz einfach: Ihr lest euch gut durch, was bereits geschrieben wurde und setzt diese Geschichte dann fort. Ihr schreibt einen Absatz zu 500-600 Zeichen (die Obergrenze bitte genau einhalten) und postet euren Beitrag anschließend bei den Kommentaren zum Text. Ich werde mich bemühen, das Geschriebene so schnell wie möglich in den eigentlichen Text zu übertragen.
Bitte bemüht euch, die Geschichte inhaltlich auf einem interessanten Niveau zu halten und den sprachlichen Stil des Textes beizubehalten. Man sollte schließlich nicht merken, dass der Text von mehreren Leuten geschrieben wurde.
Indem ihr an dieser Fortsetzungsgeschichte mitschreibt, erklärt ihr euch auch bereit, dass euer Textbeitrag (nach einem formalen Lektorat durch mich) in der Zeitschrift veröffentlicht wird, wobei ihr euern Namen neben dem entsprechenden Absatz angeführt haben oder anonym bleiben könnt. Nicht ernstzunehmende oder sehr lieblos geschriebene Beiträge werde ich ausmisten.

Liebe Grüße
Carla

 

 

 

Licht

Die Augen geöffnet solange es hell ist. So hell, so hell, so verdammt hell leuchtet die Sonne durch das Fenster. Durch das Fenster meines Zimmers und ganz benebelt von der Bewegung dieses Schimmers, der aus Staub und Licht und Luft und Nichts besteht, starr ich an die Wand. (Greta Pichler)

Die Augen geschlossen solange es dunkel ist. Dunkel, das Licht fehlt, fehlt wie ein Atemzug, ein Herzschlag in der Finsternis. Als wäre die Wand im Nichts verloren, der Raum ein schwarzes Loch, meine Gedanken im sternenwirbelnden Kreis. Im Dunkeln gibt es nur Stille und das leise Rascheln von wachen Lidern. Im Licht gibt es Monster. Sie schauen dich an, schau nicht zurück! (Lia Morgenstern)

Ich habe die Rollos ganz zugezogen. Nur noch einzelne Lichtstrahlen fallen zwischen den Brettern hindurch, gerade genug, um sich ein bisschen im Zimmer zu orientieren. Es ist dunkel. Dämmrig dunkel. Ich will nichts sehen. Ich will diese Welt nicht sehen. Hier fühle ich mich sicher. Ich will nicht an das denken, was mit dem Licht von draußen hereinströmen würde. Die Welt mit ihren Monstern. Wie lange noch? Irgendwann werden sie kommen, die Monster und die Welt und das Licht, das helle Licht... (Carla Thuile)

 

Das Dunkel ist meine zweite Körperhülle, die mich festhält, die mich wärmt, die mich schützt. Die Augenlieder geschlossen, so unendlich schwer lastend auf meiner blassen Existenz, die dem großen Nichts, dem Staub, der Luft und vor allem dem Licht nichts entgegenzusetzen hat. Ich bin kalt, meine Haut so dünn wie Papier, die Adern hellblau, kaum pulsierend, den Blick nach innen gerichtet - Wohin, wohin blicke ich? Wenn ich sie doch nicht ansehen will, die Welt, deren Teil ich nie war. Da nehme ich die goldene Wärme der einzelnen Sonnenausläufer war, kaum spürbar, und ich weiß, es bleibt immer eine Lücke, ich werde nie sicher sein. (Rebecca Heinrich)

Engel? Geflügel für Menschenfresser.

Stanislaw Jerzy Lec (eig. S. J. de Tusch-Letz)